Menschen haben sich über Jahrtausende an den Sternen orientiert, lange bevor es Kompass und Navigationsgeräte gab. Dieses Wissen ist nicht nur romantisch, es kann im Ernstfall wirklich helfen. Wenn du dich nachts im Freien verirrst und keine Technik zur Hand hast, wird der klare Himmel zu deiner Landkarte. Alles, was du brauchst, ist ein wolkenfreier Blick nach oben und etwas Übung.

Ein wolkenfreier Nachthimmel wird zu deiner
Ein wolkenfreier Nachthimmel wird zu deiner Landkarte, wenn du dich draußen ohne Kompass orientieren musst.

Den Polarstern finden

Auf der Nordhalbkugel ist der Polarstern der Schlüssel. Er steht fast genau über dem geografischen Nordpol und bewegt sich im Gegensatz zu allen anderen Sternen kaum. Wer ihn findet, kennt sofort den Norden. Der Weg dorthin führt über den Großen Wagen, ein auffälliges Sternbild aus sieben hellen Sternen.

  • Suche zuerst den Großen Wagen, der wie ein Topf mit Griff aussieht.
  • Nimm die beiden hinteren Sterne des Kastens, die dem Griff gegenüberliegen.
  • Verlängere die gedachte Linie zwischen ihnen etwa fünfmal nach oben.
  • Dort steht ein einzelner, mäßig heller Stern, das ist der Polarstern.
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Tipp: Übe das Finden des Polarsterns an klaren Abenden im Garten, dann klappt es im Ernstfall in Sekunden und ganz ohne Akku.

Blickst du direkt zum Polarstern, schaust du nach Norden. Rechts von dir liegt Osten, links Westen und in deinem Rücken Süden. Damit hast du sofort ein grobes Koordinatensystem, an dem du deine Route ausrichten kannst.

Wenn der Große Wagen verdeckt ist

Manchmal steht der Große Wagen tief oder ist von Bäumen verdeckt. Dann hilft die Kassiopeia, ein Sternbild in Form eines W oder M. Es steht dem Großen Wagen gegenüber, mit dem Polarstern etwa in der Mitte zwischen beiden. Findest du das W, liegt der Polarstern ungefähr in Richtung der offenen Seite.

Der Lauf des Mondes und der Sterne

Auch ohne Sternbilder verrät der Himmel die Richtung. Sterne gehen wie die Sonne im Osten auf und im Westen unter. Beobachtest du einen Stern eine Weile, erkennst du seine Bewegung. Steigt er, blickst du grob nach Osten, sinkt er, nach Westen. Der Mond folgt demselben Prinzip.

Übung macht sicher

Verlass dich nicht darauf, dass es im Ernstfall sofort klappt. Übe an klaren Abenden im Garten oder auf einem Spaziergang, den Polarstern zu finden. Nach ein paar Versuchen geht es in Sekunden. Dieses Wissen bleibt ein Leben lang und funktioniert ganz ohne Akku.

Über die beiden hinteren Kastensterne des
Über die beiden hinteren Kastensterne des Großen Wagens findest du den Polarstern und damit sofort den Norden.

Grenzen kennen

Sternnavigation ersetzt keine Karte, sie gibt dir nur die Himmelsrichtung. Bei bedecktem Himmel funktioniert sie nicht. Deshalb ist es klug, tagsüber möglichst an Ort und Stelle zu bleiben, wenn du dich verirrst, und die Nacht zur groben Orientierung zu nutzen. Kombinierst du die Sterne mit auffälligen Geländemerkmalen, findest du deutlich sicherer zurück. Der Blick nach oben schenkt dir Ruhe und eine klare Richtung, wenn sonst nichts mehr geht.